Remember Cevape
24/1/2008Am ersten Schultag in der neuen Schule dachte ich, es sei ein wiffer Zug von mir sich gleich neben jemanden zu setzen der den gleichen Namen trägt. Das wir beide dann bei jeder Schularbeit gezittert haben, wer nun “Michael, Fünf” ist, habe ich da noch nicht bedacht. Wenn ich mich an ein Ereignis in der Gymzeit gerne zurück erinnere ist es das Backsteinhaus. Wir mussten selber kleine Ziegel machen und damit ein Haus gestalten. Ihm und mir hat das so gut gefallen, das unser Haus sogar Strom hatte und eine richtige kleine Villa wurde. In der Freizeit haben wir freiwillig bei ihm im Keller die Ziegel gemacht und daran gebastelt. Selten habe ich mich für ein Schulprojekt so eingesetzt. Ja, der Keller. Noch heute schwebt mir manchmal der Duft in der Nase. Das Leben war toll, sein Dress rot/weiß gekachelt und ich jedesmal der Verlierer bei NHL auf der Mega Drive. An vieles aus der Zeit kann ich mich nicht mehr erinnern, aber die Fetzen die ich noch in mir trage sind meistens schön.
Danach gingen wir getrennte Wege. Er in eine andere Schule, ich auch, und somit war es unausweichlich das wir den Kontakt verloren haben. Ich habe heute keine Ahnung mehr wie lange das so war, oder wann und wieso wir uns wieder gesehen haben. Irgendwie und irgendwann haben wir es dann aber geschafft. Wir wurden wieder sowas wie ein verrücktes YingYang. Er der Draufgänger, der Schlingel und ich der Denker, der Ernste. Wir schafften den Führerschein und waren oft, lang und weit unterwegs ein Auto für ihm zu finden. Der Tiefpunkt war irgendwo in Pinkafeld, als wir einen halb kaputten Dreier angesehen haben der irrsinnig versifft war. Es wurde dann doch kein Bayer, sondern eine gelbe Flunder die ihm später beinahe das Leben gekostet hat. Irgendwo in dieser Zeit haben sich Hughie und er kennen gelernt. Es war nicht immer ganz friktionsfrei, aber zu Dritt waren wir noch unberechenbarer. Ebenfalls habe ich in dieser Zeit viel zu viele Kilos in “seiner” Pizzaria zugenommen. Im Rückblick muss ich sagen das es damals sowas wie ein verlängertes Wohnzimmer war. Ich muss gewirkt haben wie ein Stammgast ohne eigenen Leben. Viel aber nicht groß auf, weil den anderen Stammgästen das egal war. Ich war irgendwo eine teure Inventar, weil bezahlt habe ich selten. Überhaupt war diese Zeit sehr von spendabilität geprägt, was sicher auch für die späteren Probleme viel viel beigetragen hat. Man tat dem anderen gerne etwas gutes, es wurde nur irgendwann verrückt und lief aus dem Ruder. Grau kann ich mich erinnern das ich ihm auf einen Karibikurlaub zum Geburtstag eingeladen habe. Pffft. Das Leben war toll wenn man um vier in der Früh extra in die Pizzaria fuhr und eine supertolle Lasagne bekommen hat.
Wir waren so verrückt das wirklich durchzuziehen. Von Wien nach Hannover, nonstop, Autoteile für meinen Golfumbau holen. Damals nannte er mich noch oft “mein Freund” und ich glaube er meinte es wirklich so. Wir sahen vor der Abfahrt uns King of Queens an und er meinte, nachdem ich es zur Diskussion stellte, das einer wie Doug im echten Leben schon eine wie Carrey abgekommen könnte. Irgendwann schliefen wir auf der Couch ein und seine Familie kümmerte sich um mich als sei ich ein Teil von ihnen. Kurz nach Passau wurden Weichen für das Leben gestellt. Ich hätte von der Autobahn abfahren können, den 2 Euro Schlauch tauschen und hätte mir wohl nie den Benz gekauft, den Stress erlebt, den Kredit aufgenommen und und und. Das war, in der Retroperspektive eine Entscheidung fürs Leben. Natürlich fuhren wir nicht ab sondern direkt bis Hannover weiter. Wir brauchten mehr ÖL und Wasser als Sprit, aber Augen zu und durch. Bei der Rückfahrt, es ging bergab, leuchtete plötzlich eine Lampe orange und wir rollten nur mehr einige Meter. Kapitaler Motorschaden irgendwo bei Frankfurt, das Auto voll mit Teile im Wert von tausenden Euros und nachdem wir einige Zeit auf den ADAC warten mussten einen ziemlich unterkühlten Beifahrer um den ich mir sorgen um sein Leben machte. Irgendwie und irgendwann schafften wir es dann doch noch nach Österreich. Im Zug wurde es mit dem Grenzschutz noch nett, weil er keinen Pass eingesteckt hatte, oder irgendsowas war. Man war wieder im Heimatland, und die Gastfreundlichkeit hat Österreich sicher nicht erfunden.
In einem Streit habe ich ihm aufs tiefste beleidigt. Wahrscheinlich sogar mehrmals. Er war Österreicher und mein Schandmaul hatte ihm glaube ich sicher einmal tituliert mit “geh dorthin wo du herkommst” oder so einen Scheissdreck. Heute könnte ich mich verstecken für solche Aussagen. Ich kann mir das bis heute nicht verzeihen, und das ist gut so.
Ich kippte da rein und fühlte mich wohl. Abends in den kroatischen Lokalen umherzustreunen, der Außenseiter zu sein und trotzdem nicht ein Freak. Langsam konnte ich Sprachfetzen wiedergeben, was mich unglaublich stolz gemacht hat, meine Umgebung aber wahrscheinlich nur zum lächeln gebracht hat. Ich hatte sowas wie einen vergrößerten Freundeskreis und jedes Weekend Party. Damals war es die einzige Zeit wo ich getanzt hatte. OK, Volkstanz, but who cares. Am Freitag nach der Arbeit sofort einen VIP Tisch reserviert, Ceca in den CD Player geknallt, ihm und andere Leute abgeholt und ab in die Crodisco. Zu Eristoff irgendwelche kroatischen Livebands geschaut und mitgesunden. Habe ich Dino Merlin gesehen? Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Ceca glaube ich aber nicht, obwohl die ja mein Liebling war. Aber Rade Lackovic war dabei und Zdravko Colic: a sta sutra, pusti pusti modu. Ich habe damals sogar die Sprache ernsthaft gelernt, aber es dann irgendwann aufgegeben. Das Leben war toll: coole Musik (für meinen Geschmack), a great crowd and girls with nice tits. N ie konnte ich bei ihr landen, da war das Leben dann wieder ungerecht. Damals besuchte ich meinen ersten und einzigen Ball, gelandet bin ich trotzdem nicht bei ihr. Die surrealste und wohl verrückteste Erinnerung: ich saß mit irgendwas hochprozentigen in der Hand da, hab am selben Tag den Benz gekauft, und irgendeine schrille Musik war im Hintergrund - ich dachte das das Leben toll sei.
Der Polizist hielt uns auf weil uns die Verkehrsspuren egal waren. Bisschen mulmig wurde mir als wir ihm bestechen mussten, aber fuck off. Wir waren the boys with the Audi, und die Küstenstraßen waren unser zuhause. Neben dir ging es uuuunglaublich steil bergab, aber in der Kurve wird trotzdem überholt. Einen Schutzengel hatten wir als das Arschloch auf einer kerzengeraden Strecke meinte von rechts rauszurollen, obwohl wir fast as a lightning mit 200 auf ihm zufuhren. Den einzigen “Unfall” hatten wir dann gerade beim umdrehen in einer engen Straße. Seit damals weiss ich: 1 Kratzer auf der Stoßstange bringt ein Armketterl, der Wechselkurs unter Freunden. Wir schoßen das schönste und das zweitschönste Foto vom Audi, ich sah das Haiduk Split Stadion und gemeinsam kippten wir uns beim Abendessen regelmäßig die Birne voll. Leider war die Kombination zwei Männer, eine Frau und Alkohol keine gute. Ich zog den kürzeren und schickte verrückte Short Messages nach Wien. Der Urlaub, das Leben war toll.
Es war als wohnten wir in einer crazy WG. Er, seine damalige Freundin und ich. Tagelang kam ich nicht heim, und dort wo ich war, fühlte ich mich daheim.
Im Benz am Heimweg nachdem ich ihm endlich abgeholt hatte, spielte ich zuerst “Mercedes Benz” von J.J. und extra für ihm danach die Kroatische Hymne. Verrückt, aber Zeichen der Anerkennung. Danach spielten wir nur immer wieder Dino Merlin. Merlin gab vor kurzen ein Konzert in Wien, damals wären wir die ersten gewesen die Tickets dafür gehabt hätten.
Schon in den Pausen am Montag zwischen Vormittags und Nachmittagsunterricht hat er mir am Rückweg vom McDonalds erzählt wie er vielleicht einmal einen Firsör aufmachen will. Hätte nicht gedacht das er das durchzieht. Ich hatte wirklich Angst das er sich übernimmt, aber bis heute besteht der Laden. Es war eine verrückte Zeit, und ich lernte wirklich eine Menge verrückter Menschen damals kennen. Das Mädl mir der Rose zum Beispiel. Ich stand oft mit einer Zigarette auf der Straße an der Wand gelehnt und dachte einen weiteren Schritt im Leben von ihm und mir mitgemacht zu haben. Leider ging dieser in die falsche Richtung, und eine Tussi hat es geschafft ihm und mich ganz toll auszuspielen. Das konnte sie wirklich, unglaublich wie sehr ich mich damals in diesen Menschen getäuscht habe. Nie werde ich vergessen wir er nur ihr geglaubt hatte, meine (wahren) Argumente egal waren und trotzdem Hughie auch zu mir stand. Danach herrschte Funkstille. Als diese sich wieder legte kam es zum Eklat über die Bezahlung seiner Homepage. Ich wollte das Geld, er wollte das ich ihm einen gefallen tu (oder etwas anderes, gibt mehrere Thesen) und somit landete die Freundschaft beim Inkassobüro. Ich gewann keine knapp 600 Euro sondern verlor viel viel mehr, hatte aber meinen Kopf durchgesetzt.
Ich hoffe ich täusche mich jetzt nicht, aber ich glaube die Homepagesache konnten wir nach Monaten beilegen. Wenn ich mich recht erinnere haben wir das erste Gespräch danach bei der Donau gehabt und ich hatte Schiss das er mich schlagen will oder whatever. Man war, oder ich, nicht nett zueinander in der Zeit davor. Das Tief konnte überwunden werden und man sah sich wieder öfter. Alles hatte aber eine andere Qualität. Alles drehte sich immer schneller: Wohnung, sein Lebensstil, seine Leute, ich konnte irgendwann nicht mehr mithalten und war entweder die Spaßbremse oder der Grund für einen Streit. In der Zeit baute ich wieder mehr Kontakt zu seinen Bruder auf. Gemeinsam waren wir für einige Monate total auf der selben Welle. Er war ernst, liebte das Leben und den tiefen Sinn, gönnte sich luxus aber war ein genauso guter Mensch wie sein Bruder. Das Leben war wieder wie die Chevapcici die wir damals exzessiv futterten: toll.
Nico Kovac ist mir sympatisch weil ich ihm das erste Mal im rot/weiß karrierten Nationalteam Dress sah und mich deshalb immer an Michi erinnert. Verrückt.
Damals saß seine große Liebe in Kroatien. Er war so vernarrt in sie. Heute sitzt er mit einer anderen Frau, seiner Frau, zuhause in seiner eigenen Wohnung und ist nun Familie. Der Playboy hat geheiratet.
Wären wir noch YinGYang, wir würden bei der EM aber sowas von abfeiern beim Match Österreich gegen Kroatien.
Das ging mir durch den Kopf als ich letztens am Palazzo vorbei fuhr, damals ein Stammlokal von uns. Ich war auf dem Weg zu einen Kunden der dort ganz in der Nähe ist, nur ein paar Gassen weiter. Mir fiel nicht mehr der Grund ein was damals vorfiel das wir heute keinen Kontakt mehr haben. Täusche ich mich und wir haben nach der Homepageaffaire keinen Kontakt mehr gehabt oder war es etwas anderes? Der Grund war jedenfalls so heftig das sich auch sein Bruder zurückzog. Vom tiefsten Herzen fällt mir der Grund unserer Distanz nicht mehr ein. Aber sie ist fakt.
So this is what it feels like to be the one left behind..





