London Review
12/7/2010Es sollte eine entscheidende Reise werden. Wurde es auch. Es wurden die letzten Zweifel ausgeräumt - das mit S. und mir wird nichts mehr. Denk ich mal.
In Schwechat angekommen haben wir gleich eine zweistündige Verspätung aufgerissen. Mei - ich für meinen Teil war jedenfalls relaxed. Die Maschine war dafür recht gut beieinander (ist ja bei der AUA leider nicht mehr so oft der Fall), der Flug war ohne Vorkommnisse und zick zack waren wir schon wieder in Heathrow beim warten aufs Gepäck. Welche Leute nehmen zB einen neuen Autokindersitz mit? Danach rein ins cab, und auf zum Hotel. Es lag etwas außerhalb, war aber fabelhaft (oh, einen Minus Punkt gab es: keine verdammte Hotelbar. WTF?). Die Fahrt dahin hat trotzdem 35 Pfund gekostet. Lustigerweise habe ich einige Tage davor gehört, daß man ein wirklich gutes Hotel daran erkennen kann, das der Check-in in der Sprache des Gastes ist. So war es auch. Wir hatten getrennte Zimmer, aber direkt nebeneinander. Leider blieb keine Zeit um ein bisschen zum verschnaufen, die subway hat nach uns gerufen, und wir kamen natürlich. Just in time haben wir die vorletzte Bustour erreicht. Zweieinhalb Stunden am Bus, an der frischen Luft, mit Wind in den Haaren und bei erträglichen Temperaturen durch London gefahren zu werden…es gibt schlechtere Arten einen Freitag Abend zu verbringen. S. war natürlich von London total fasziniert, für mich war es ja nicht mehr soo toll. Dafür waren unsere weiblichen Beifahrerinnen eine Augenweide - so kam jeder auf seine Kosten! Einen vorgeschmack auf Samstag habe ich aber bekommen: ich hatte die Speicherkarte meiner Digicam nicht gelöscht, und irgendwann (nachdem S. zig Videos gemacht hat) war die voll und ich (zwischen den Blumen) schuld defacto ich. Danach ging es zurück ins Hotel, um bei einer guten chicken breast den Abend ausklingen zu lassen. Bis zum einschlafen durfte mich dann BBC unterhalten. Bis dahin war zwischen S. und mir auch fast alles in Ordnung. Wenn sie plaudern wollte habe ich ihr zu gehört, ihr hin und wieder interessante London facts erzählt, und sonst meine übliche Rolle gespielt: den stillen Beifahrer.
Der nächste Tag ging mit einem fabelhaften Frühstück los. Für 10 Pfund erwarte ich das aber auch. Anschließend steuerten wir das Shakespeare Globe Theater an. Leider liegt das irgendwo im nirgendwo, daher mussten wir eine subway/cab Kombi nehmen (und verdammt, am Samstag gibts in London viel weniger Taxis!). Ich bin jetzt nicht so der Shakespeare Fan, ging also eher mit S. mit. Das neue Theater hat mir dann aber doch recht gut gefallen. Leider hatten wir für den Abend schon was vor, sonst wäre so eine Vorführung dort sicher spannend gewesen. Danach ging es zum Madame Tussauds. Die Göttin der Waxfiguren hatte meine gute Laune gekillt. Dort war eine Menschenschlange angestellt, unfassbar. Nach einer 3/4 Stunde waren wir dann endlich dran unsere “Skip the Line - pre paid Tickets” abzugeben. Skip the Line - du mich auch! Eigentlich wollte ich das auslassen, weil wir defacto keine Zeit für so lange anstellen hatten - wir hatten ein gepacktes Programm, aber S. wollte sich nicht umstimmen lassen. Bei 40 Grad ohne Getränk stehe ich eben nicht gerne an. Innen war es auch extrem voll, und ich durfte bei X Figuren ein Foto von S. machen. Yeah, loved it. Nach Madame Tussauds wollte ich im angrenzenden Pub eine kleine Pause einlegen. Wurde mir aber mit aller Härte einer Deutschlehrerin verweigert. So trabte ich ihr nach, auf der Suche nach dem Sherlock Holmes Museum. Weder interessierte mich das, noch stimmte meine Karte (sollte gleich ums Eck sein, jaja, du mich auch…). Ich bin ja eher ein “sucher” und S. ein “frager. Ich hätte das auch so gefunden, aber sie musste immer die Leute fragen und so kam es dann auch das wir dreimal (!) die falsche Richtung genommen haben. Mein nachtraben wurde dadurch nicht schneller. Ihr gefiel das Museum total gut, aber mir sagte das alles nichts. Wenn man kein Fan vom Holmes ist, naja, dann macht diese alte vierstöckige Wohnung nicht so viel her (auch wenn sie wirklich mit Liebe eingerichtet wurde). So saß ich dann an der frischen Luft und wartete auf S. - im Pub daneben wurde gegröhlt, Deutschland lag in Führung! Danach durfte ich endlich meine Pause einlegen. S. wollte zwar wieder aufstehen und gehen weil kein Kellner kam, aber ich habe das Zeug dann direkt von der Theke geholt (so wie man es auch machen sollte, wenn man die Karte richtig ließt..). Gestärkt ging es dann für eine 20 Min “shopping Einheit” ins HMV auf der Oxford Street. Mehr ließt der Zeitplan nicht zu. Leider gab es keine vernünftigen Boxsets, deshalb bin ich ohne ein Sackerl wieder rausgekommen. Ich war enttäuscht. Danach fuhren wir wieder zurück ins Hotel, um uns für das Musical fertig zu machen. Irgendwie waren wir beide schon leicht gereizt und durchgeschwitzt, aber nach einer Dusche ging es dann wieder. Im Kleid und Sakko ging es dann zurück zum Strand, wo Love never dies auf uns gewartet hatte. Wir mussten uns sputen, hatten kaum Zeit und sind aber dann doch 30 Min vor Beginn angekommen. Ich muss nicht erwähnen das wir es nicht sofort gefunden haben, und ich mir wieder anhören durfte, wieso ich nicht die Leute frage sondern “so rumschaue”. Kaum saßen wir, ging etwas gedämpft das Nörgeln wegen dem Sitzplatz los. Yeah, du bist nicht sehr groß, aber ich kann 6 Monate vorher beim buchen zuhause nicht wissen welcher Platz für dich ideal ist, Mauserl! Ich habe ihr dann meinen Sitzplatz angeboten, ich hatte da und dort recht gut gesehen. Ich hatte ihr auch für 50p so ein kleines Fernglas gemietet, und die gute Frau hatte nichts besseres zu tun als es wieder in die Mietvorrichtung zu stecken, hahah. Ihr schlechtes Gewissen dürfte sich dann aber gemeldet haben, weil sie nochmal 50p eingeworfen hat. Mittlerweile war ich schon leicht angepisst, aber als das Musical los ging, war ich mit meinen Gedanken in der Welt des Phantoms. Grandiose Vorstellung, traumhaft! Am Weg zurück wurde es dann lustig. Eigentlich hätte unserer subway woanders hin fahren soll, aber sie wurden mitten unterm Fahren umrangiert und steuerte nun ein anderes Ende an. Geistesgegenwertig (und ich weil dachte das es später nicht mehr ging) bin ich bei der nächsten Stadion raus und habe S. natürlich mitgeschleppt. Draußen durfte ich mir dann anhören warum ich das gemacht habe, wieso ich sowas beschließe und überhaupt was ich mir erlaube. S. war der Meinung, wir hätten auch zwei Stationen später aussteigen und dort warten können. Auf meine Frage wo der Unterschied sei (ob ich jetzt hier warte oder dort?!) wurde das Gespräch dann recht pampig und ich hab mich zurückhalten müssen nicht irgendwas verdammt blödes zu sagen. Ich konnte sie absolut nicht verstehen, das Theater war unnötig, und vielleicht deshalb und weil es so unvorhergesehen kam, war ich ordentlich eingeschnappt. Aber nicht auf der bösen Art, sondern einfach verdammt enttäuscht. Sie hatte den tollen Abend zerstört, mir die Stimmung vermießt und damit zwischen uns etwas ruiniert. Immerhin hatte ich die ganze Reise komplett geplant, alle Tickets gekauft, alle subway Routen und Umsteigewege für uns rausgesucht, alle Check-ins gemacht - kurz ich war der Reiseleiter. Und dann wegen so einer Kleinigkeit so einen Stress machen? Mhm. Sie ging dann von mir weg, stellte sich an das andere Ende vom Bahnsteig und stieg in die nächste subway (die auch nicht an unser Ziel fuhr, aber hauptsache sie konnte zwei Stationen später auf die richtige warten…) ein. Mit enttäuschten Augen sah ich ihr nach. Sie war dann zwar so nett und hatte in unserer Endstation auf mich gewartet, aber da war sie schon Luft für mich. So gingen wir getrennte Wege zurück ins Hotel. Sie aufs Zimmer, ich in die Bar. Eigentlich hätten wir ihren Geburtstag feiern wollen (sie hatte am nächsten Tag), aber daraus wurde nichts. Ich saß mit meinen Caipiroska an der Bar, sah im screen Con-Air und war für den bartender wohl ein offenes Buch (Sir, i keep your bill open, ok? Tough day? The next one is stronger…). Nach 3 (heftigen) Cocktails kam S. dann plötzlich runter. “Ah - da bist du! Da kann ich ja lange an deine Tür klopfen”. Ich: “mhm!”. Sie “Ah, naja, mir war kalt, war jetzt auch duschen…” Ich: “mhm!!” (blick starr auf Con Air). Sie “na dann, mhm, ok, ich geh schlafen, morgen um 7:30 ist das Taxi da…balbla”. Ich “mhm! night! next one, please!”. Es war wohl ihre unvollkommene Art sich bei mir zu entschuldigen, aber dazu war ich nicht in der Stimmung. Nach dem vierten Cocktail (uh, stark..) ging ich dann rauf ins Zimmer und hatte mir dann noch paar gute Nudeln bringen lassen um dann vor einer britischen Comedyshow einzuschlafen. That was day two.
Übermüdet, bisschen verkatert und übermüdet (!) hab ich es dennoch rechtzeitig zur Abfahrt in die Lobby geschafft. Draußen hatte natürlich kein cab gewartet, sondern ein Privatfahrzeug mit Chauffeur. Das hat S. ja super gecheckt! Der Fahrer wollte uns keinen Preis nenne, sondern immer wissen was wir bei der Hinfahrt bezahlt haben. So ein Schlingel! Aber auch die Hürde hatten wir gemeistert, und bisschen später saßen wir schon beim Frühstück und haben auf den Abflug gewartet. Ohne delay oder anderen Problemen kamen wir dann wieder in Wien an. Ich musste S. noch bei ihr zuhause abliefern, ich konnte den drop off kaum erwarten. Wir haben in der Zwischenzeit nicht wirklich viel miteinander gesprochen, ich war noch ein bisschen sauer.
That was our London trip. London war toll (wie immer), aber das der Samstag Abend so entglitten ist, hat vieles überschattet und manches zerstört.





